KLIMAANPASSUNG
- WARUM KLIMAANPASSUNG UND WARUM IN WÜRZBURG?
- Was Würzburg bereits auf den Weg gebracht hat
- Klimaangepasste Stadtentwicklung
- Stadtnatur und biologische Vielfalt
- (Trink-)Wassermanagement und Schwammstadt
- Sturzflutvorsorge
- Gesundheitsschutz
WARUM KLIMAANPASSUNG UND WARUM IN WÜRZBURG?
Der Klimawandel ist keine ferne Bedrohung mehr, er ist längst Realität, auch hier bei uns in Würzburg. Unsere Stadt gilt als Hotspot der Klimaerhitzung in Unterfranken: Die Jahresmitteltemperatur lag 2024 mit 11,5 °C deutlich über dem bayerischen (10,3 °C) und dem deutschlandweiten (10,9 °C) Durchschnitt. Besonders spürbar ist die Zunahme von Hitzetagen, allein 2022 verzeichnete Würzburg über 30 Tage mit Temperaturen über 30 °C. Die extremen Bedingungen sind nicht nur Folge der globalen Klimakrise, sondern werden durch lokale Gegebenheiten massiv verstärkt: Die topographische Kessellage, die dichte Bebauung und der hohe Anteil an versiegelten Flächen sorgen dafür, dass sich Hitze staut und kaum abfließen kann. In der Innenstadt kann es dadurch bis zu sechs Grad wärmer sein als im Umland.
Diese städtische Wärmeinsel trifft auf zunehmende Trockenheit, denn auch die Winter bringen immer seltener den notwendigen Ausgleich: So fielen etwa im März 2024 rund 40 % und im Februar 2025 etwa 32 % weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel (1961 bis 1990). Unter dieser Hitzebelastung und Trockenheit leiden Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen. Viele ehemals heimische Baumarten wie die Buche verkraften das nicht mehr. Im Ringpark und Stadtwald zeigen sich bereits deutliche Schäden. Auch die städtische Wirtschaft, insbesondere der Einzelhandel, leidet unter sinkender Aufenthaltsqualität in einer überhitzten Innenstadt.
Während der Klimaschutz darauf abzielt, die Klimaerhitzung durch die Reduktion von Treibhausgasen einzudämmen, bedeutet Klimaanpassung: die Stadt widerstandsfähig gegenüber den bereits spürbaren und künftig unvermeidlichen Folgen zu machen. Klimaanpassung ist damit eine Überlebensstrategie für die Zukunft und zugleich eine große Chance: für eine grünere, gesündere, gerechtere Stadt. Es braucht also beides: Klimaschutz und Klimaanpassung. Nur so kann Würzburg auch zukünftig ein lebenswertes Zuhause für alle Generationen bleiben.
Was Würzburg bereits auf den Weg gebracht hat
- Aufstellung eines Hitzeaktionsplans: Würzburg arbeitet an der Umsetzung seines Hitzeaktionsplans (seit Mai 2023), um besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen, wie Kinder und Schwangere, ältere Menschen und Pflegebedürftige, besser vor extremer Hitze zu schützen. Erste Maßnahmen wurden bereits in Kitas, Pflegeheimen und sozialen Einrichtungen umgesetzt. Der Plan basiert auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Umweltbundesamts.
- Integrales Sturzflut-Risikomanagement: Würzburg entwickelt ein umfassendes Risikomanagement für Starkregenereignisse, das sowohl versiegelte Flächen als auch kleinere Gewässer wie Pleichach, Kürnach, Dürrbach und Heigelsbach einbezieht. Ziel ist es, gefährdete Bereiche frühzeitig zu erkennen, Rückhalteräume zu schaffen und durch Frühwarnsysteme besser auf Überflutungen reagieren zu können. Erste Kooperationsprojekte, etwa mit dem Markt Reichenberg, sind bereits gestartet und ein erstes Konzept wurde im April 2025 verabschiedet.
- Klimaanpassungsstrategie und Stadtentwicklung sowie Freiraumgestaltung in der Innenstadt: Die Stadt hat eine Klimaanpassungsstrategie vorgelegt, die die wichtigsten Handlungsfelder für eine klimaangepasste Stadtentwicklung beschreibt sowie auch ein Freiraumgestaltungskonzept für die Innenstadt erstellt.
- Pilotprojekte Schwammstadt: Würzburg setzt erste Elemente des Schwammstadt-Prinzips um: Regenwasser soll möglichst vor Ort gehalten und genutzt werden, etwa durch Zisternen zur Bewässerung von Stadtbäumen, wie am Platz vorm Rathaus, oder durch versickerungsfähige Flächen, die zur Kühlung beitragen und die Kanalisation entlasten.
- Begrünungsprogramm „Stadtlich Grün“: Mit dem Programm „Stadtlich Grün“ fördert Würzburg aktiv mehr Grün in der Stadt - durch Zuschüsse und Beratung für die Begrünung von Dächern, Fassaden und Innenhöfen. Auch im öffentlichen Raum werden gezielt Bäume gepflanzt, um das Stadtklima zu verbessern, Schatten zu spenden und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.
- Erste Klimafunktionskarte: Würzburg hat eine Klimafunktionskarte erstellt. Diese zeigt auf, wo in der Stadt besonders große Hitzeprobleme auftreten (sogenannte Hitzespots), wo Kaltluft im Stadtgebiet entsteht und wie sie sich auf Frischluftschneisen durch die Stadt bewegen. Die Karte hilft Stadtplaner*innen dabei, neue Bauprojekte klimaangepasst zu gestalten. Dies muss Grundlage für die neue Würzburger Flächennutzungsund Landschaftsplanung sein.
All diese Maßnahmen sind wichtige Schritte auf dem Weg zur klimaangepassten Stadt. Doch es braucht noch mehr. Die kommenden Jahre bieten die Chance, Würzburg gemeinsam klimafest, gesund und lebenswert zu gestalten.
Klimaangepasste Stadtentwicklung
Unser Fundament für ein lebenswertes Würzburg
Die Klimaerhitzung stellt die Stadtentwicklung vor neue Herausforderungen: Hitze, Starkregen und Trockenperioden machen es nötig, unsere städtischen Strukturen grundlegend zu überdenken. Darum gilt: Jede Entscheidung in der Stadtplanung muss heute auch eine Entscheidung im Sinne der Klimaanpassung sein.
Wir GRÜNE setzen uns für eine Stadtentwicklung ein, die Klimaanpassung von Anfang an mitdenkt. Entsiegelung,
Begrünung und gute Durchlüftung müssen zum Grundprinzip jeder Planung werden, ob bei Straßen, Plätzen oder Gebäuden. Damit das gelingt, braucht es klare Vorgaben, wirksame Anreize und gezielte Förderprogramme, sowohl für öffentliche als auch für private Flächen.
Dafür setzen wir uns ein:
- Schwammstadt-Prinzip flächendeckend umsetzen: Das Schwammstadt-Prinzip basiert darauf, Regenwasser dort zu speichern und zu nutzen, wo es anfällt, anstatt es schnell in die Kanalisation abzuleiten. Es umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen wie Retentionsmulden, Sickerteiche, Pflanzenbeete und Baumwurzelspeicher, aber auch innovative Lösungen wie Rigolenversickerung, Zisternen, Dach- und Fassadenbegrünung sowie wasserdurchlässige Beläge. Ein wichtiger Bestandteil ist außerdem der schrittweise Umbau des Mischkanalsystems hin zu einem Trennkanalsystem, um Regenwasser effizienter zu nutzen und die Belastung der Kanalisation zu verringern. Diese Maßnahmen sollen zum Standard in der Stadtplanung werden und in allen Neubauprojekten sowie bei Sanierungen konsequent angewendet werden.
- Frischluftschneisen schützen: Freie Luftleitbahnen sorgen für Abkühlung in heißen Sommernächten. Damit diese natürlichen Frischluftzuflüsse nicht verbaut werden, müssen sie in der Bauleitplanung und Flächennutzungsplanung verbindlich freigehalten und dauerhaft gesichert werden.
- Begrünung bei Neubauten: Wo immer möglich sollen Dächer und Fassaden begrünt werden. Auch temporäre Begrünungen (Pflanzinseln, Stadtmöblierung) in der Innenstadt helfen sofort gegen Hitze.
- Kühle Orte und „Kühle Räume“ schaffen: In besonders dicht bebauten Quartieren wie z.B. der Altstadt oder Grombühl braucht es gezielte Maßnahmen zur Abkühlung: mehr schattenspendende Bäume, helle Bodenbeläge, Sonnensegel, Nebelkühlung und Wasserspiele sollen dort für spürbare Entlastung sorgen. Und wir brauchen künftig dezentral gut erreichbare „Kühle Räume“, damit Menschen, deren Wohnungen in Hitzewellen zu stark überhitzen, wohnortnah Abkühlung finden können - notfalls auch über Nacht.
- Innovative Stadtgestaltung: Wir wollen moderne Technologien gezielt nutzen, um auf Klimabelastungen flexibel reagieren zu können. Digitale Hitzekarten machen sichtbar, wo sich akute Hitze-Hotspots entwickeln. Dort können kurzfristige Maßnahmen umgesetzt werden, wie etwa mobile Pflanzkübel, begrünte Bauzäune, bepflanzte Stadtmöbel oder temporäre Wasserspiele. Solche Elemente sind vielfach erprobt und verbessern nachweislich das Mikroklima gerade in stark versiegelten und dicht bebauten Bereichen. So wird Stadtgestaltung dynamisch, anpassungsfähig und direkt spürbar für die Menschen vor Ort.
Stadtnatur und biologische Vielfalt
Lebensqualität stärken
Stadtgrün ist mehr als schön, es ist eine entscheidende Antwort auf die Herausforderungen der Klimaerhitzung in der Stadt. Bäume, Büsche, Wiesen und entsiegelte Böden sorgen für Kühlung, spenden Schatten, verbessern die Luftqualität, puffern Starkregen ab und machen öffentliche Räume lebenswerter. Besonders in dicht bebauten Quartieren wird spürbar: Wo es grünt, lässt es sich besser leben, besonders in heißen Sommern.
In diesem Kapitel geht es nicht primär um den Schutz von Artenvielfalt oder Biotopen - diese wichtigen Themen behandeln wir gesondert im Kapitel „Natur & Umwelt“. Unser Fokus hier liegt auf Maßnahmen der Stadtnatur, die direkt der Gesundheit, dem Wohlbefinden und dem Schutz der Menschen im urbanen Raum dienen. Deshalb setzen wir GRÜNE uns für folgende Schwerpunkte ein:
- Mini-Wälder und grüne Rückzugsorte schaffen: In verdichteten Stadtteilen wollen wir gezielt kleine, intensiv bepflanzte Grünflächen schaffen - sogenannte „Tiny Forests“. Diese Mini-Wälder basieren auf folgendem Konzept: Auf kleiner Fläche werden verschiedene heimische/klimaresiliente Baum- und Straucharten dicht gepflanzt, sodass sich innerhalb kurzer Zeit ein artenreicher, mehrschichtiger Kleinstwald entwickelt. Er bietet dichten Schatten, kühlt die Umgebung, filtert Schadstoffe und ist zugleich ein ruhiger Rückzugsort mitten im Quartier. Ergänzt werden solche Flächen durch artenreiche Wiesen mit robuster, trockenheitsresistenter Bepflanzung - ideal für Schulhöfe, Kitas oder ruhige Ecken im Wohnumfeld. So entsteht grüne Aufenthaltsqualität dort, wo sie besonders gebraucht wird.
- Grünräume verbinden -wohnortnahes Grün stärken: Menschen brauchen wohnortnahes, fußläufig erreichbares Grün. Deshalb wollen wir bestehende Grünflächen besser miteinander verbinden, über grüne Wege und begrünte Durchgänge. Auch kleinere, bislang ungenutzte Flächen wie Verkehrsinseln, versiegelte Randbereiche oder Brachen zwischen Gebäuden sollen dafür entsiegelt und aufgewertet werden. So entsteht ein zusammenhängendes Netz aus grünen Aufenthaltsräumen im ganzen Stadtgebiet.
- Private Grünflächen stärken: Vorgärten, Innenhöfe und Gemeinschaftsflächen in Wohnanlagen bieten großes Potenzial für mehr Stadtnatur. Wir wollen Mieter*innen und Eigentümer*innen ermutigen, diese Flächen zu begrünen, mit Beratung, Förderangeboten und praktischer Unterstützung. Begrünte Höfe wirken kühlend, fördern Nachbarschaft und schaffen neue Aufenthaltsqualität im direkten Lebensumfeld.
- Grünräume klimaresilient pflegen: Damit städtisches Grün auch in Zeiten zunehmender Hitze und Trockenheit erhalten bleibt, muss die Pflege an die veränderten Bedingungen angepasst werden. Dazu gehören spätere Mahdtermine für Wiesen, damit Pflanzen ausreifen und ihre Kühlwirkung entfalten können, die Auswahl klimaresilienter Baumarten, die besser mit Trockenphasen zurechtkommen sowie eine Bewässerung mit Regenwasser, um Ressourcen zu schonen. So können öffentliche Grünflächen auch künftig ihre Funktion als Erholungs- und Aufenthaltsräume erfüllen.
- Den Baumbestand als wertvollen Gewinn für den öffentlichen Raum und Baugrundstücke begreifen: Bäume sind nicht nur ein ästhetischer Bestandteil der Stadt, sondern leisten einen entscheidenden Beitrag zur Klimaanpassung, Biodiversität und Erholung. Der Wert von insbesondere ausgewachsenen Bäumen muss endlich auch quantitativ erfasst und in die Bauplanungen integriert werden. Wir setzen uns dafür ein, dass der Baumbestand als wesentlicher Faktor für die Stadtentwicklung anerkannt und in Planungen sowie Bauvorhaben prioritär berücksichtigt wird.
- Grünpflege gemeinsam denken: Stadtnatur braucht gute Pflege aber auch Mitverantwortung. Wir wollen Bürger*innengärten, Grünpatenschaften und gemeinschaftliche Pflegeprojekte fördern: von Hochbeeten auf Schulhöfen über Baumscheibenpatenschaften bis hin zu kleinen Nachbarschaftsgärten. So wird grüne Stadtentwicklung auch ein sozialer Prozess, der Menschen verbindet.
(Trink-)Wassermanagement und Schwammstadt
Das Wasser kommt - wir lenken es richtig
Der Umgang mit Wasser wird zur zentralen Herausforderung städtischer Klimaanpassung. In heißen Sommern leidet Würzburg zunehmend unter Dürre und Trockenstress, während Starkregenereignisse Straßen und Keller überfluten und die Kanalisation überfordern. Die Lösung liegt nicht in technischen Großbauten, sondern im intelligenten Zusammenspiel aus Speicherung, Versickerung und Nutzung: Die Stadt muss Regenwasser als Ressource begreifen nicht als Abfall.
Deshalb setzen wir GRÜNE auf das Konzept der „Schwammstadt“ und dem Regenrückhalt in der Fläche, bei dem Regenwasser dort aufgenommen, gespeichert und genutzt wird, wo es anfällt. In anderen Kapiteln haben wir bereits dargelegt, wie diese Prinzipien in der Stadtgestaltung angewendet werden sollen. Hier geht es gezielt um den Umgang mit Wasser als zentrales Element einer klimaresilienten Infrastruktur.
Unsere Maßnahmen:
- Zisternen und Baumgrubenspeicher ausbauen: Das Pilotprojekt an den „Köhler-Bäumen“ vor dem Rathaus zeigt, wie Regenwasser direkt am Entstehungsort gespeichert und für die Bewässerung genutzt werden kann. Solche Baumgrubensysteme verbessern die Versorgung städtischer Bäume und entlasten gleichzeitig das Kanalsystem. Wir wollen solche dezentralen Speichersysteme konsequent ausweiten, auch bei neuen Baumpflanzungen und in öffentlichen Grünanlagen.
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Wasserdurchlässige Beläge gezielt einsetzen: Viele versiegelte Flächen verhindern, dass Regenwasser versickern kann. Stattdessen fließt es ungenutzt in die Kanalisation. Wir setzen uns dafür ein, bei Neubauten und Sanierungen vorrangig wasserdurchlässige Materialien zu verwenden, die die natürliche Versickerung ermöglichen und gleichzeitig die Hitzeentwicklung reduzieren helfen.
- Regenwasser als Ressource nutzen: In Trockenphasen ist die Versorgung öffentlicher Grünflächen mit Trinkwasser weder nachhaltig noch zukunftsfähig. Wir wollen daher Regenwasser gezielt sammeln und vor Ort nutzen, durch den Ausbau von Zisternen, Speichern und Trennsystemen, die eine getrennte Ableitung und Nutzung von Regenwasser ermöglichen.
- Trinkwasserschutz stärken: In einer Region wie Würzburg, in der die Neubildung von Grundwasser besonders gering ist, ist der Schutz unseres wichtigsten Lebensmittels von existenzieller Bedeutung. Neue Belastungen und Gefährdungen der Waserschutzgebiete müssen vermieden werden. Wir setzen uns daher entschieden für den konsequenten Schutz der Zeller Quellstollen und ihres 66 Quadratkilometer großen Wassereinzugsgebiet ein. Daher lehnen wir einen Gipsabbau bei Altertheim strikt ab.
- Oberflächenwasser gezielt rückhalten und für Weinbau und Landschaftspflege nutzbar machen: Um die Bewässerung der Weinberge auch in zunehmend trockenen Sommern zu sichern, setzen wir uns für ein antizyklisches Wasserrückhaltekonzept mit Oberflächenwasser, insbesondere auch Mainwasser ein. In regenreichen Zeiten soll Flusswasser entnommen und zusammen mit Regenwasser in Speichersystemen zwischengespeichert werden, um es in Trockenphasen bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen. Damit kann die regionale Weinwirtschaft klimaresilienter werden ohne den Main in Hitzeperioden zusätzlich zu belasten. Solche Systeme müssen ökologisch verträglich gestaltet und in überregionale Wasserstrategien eingebettet werden.
Sturzflutvorsorge
Wenn der Ausnahmezustand zur Regel wird
Starkregen, Sturzfluten, Hagel, Stürme: Was früher seltene Ereignisse waren, wird zunehmend zur Normalität. Die Folgen sind oft dramatisch für Menschen, Infrastruktur, Natur und Wirtschaft. In Würzburg ist es deshalb unerlässlich, vorausschauend zu handeln, um nicht nur auf Katastrophen zu reagieren, sondern ihnen vorzubeugen. Wir GRÜNE setzen auf kluge Vorsorge statt teurer Reparaturen und wollen eine Stadt, die auch in Krisenzeiten handlungsfähig bleibt.
Unsere Maßnahmen:
- Sturzflut- und Starkregenmanagement konsequent weiterentwickeln: Erste Konzepte sind erarbeitet, nun muss die Umsetzung folgen. Gefahrenkarten müssen öffentlich zugänglich gemacht werden, Frühwarnsysteme sollten praxistauglich sowie zuverlässig sein und die Bevölkerung muss aktiv über Risiken und Verhaltensmaßnahmen informiert werden.
- Natürliche Rückhalteräume schaffen und Retentionsflächen schützen: Regenwasser muss dort bleiben, wo es fällt. Wir setzen auf gezielte Entsiegelung von Flächen, Gründächer, Regenrückhaltebecken und Mulden sowohl auf städtischen als auch privaten Flächen. Gleichzeitig müssen bestehende Retentionsflächen geschützt und ihre Kapazitäten für die Wasseraufnahme gestärkt werden, um Überschwemmungen zu verhindern und die Kanalisation zu entlasten.
- Freiflächen vor Bebauung schützen: Besonders in gefährdeten Bereichen wie an Hanglagen dürfen keine neuen versiegelten Strukturen entstehen, hier braucht es wassersensible Stadtentwicklung.
- Kritische Infrastrukturen absichern: Würzburg muss sicherstellen, dass zentrale Infrastrukturen wie Feuerwehren, Katastrophenschutz, Energieversorgung, Kommunikation, Mobilität und Gesundheitseinrichtungen auch bei extremen Wetterereignissen funktionsfähig bleiben. Dazu gehören Notfallpläne, Schutzmaßnahmen und eine hohe Ausfallsicherheit.
- Öffentlichkeitsarbeit und Bildung stärken: Jede und jeder kann einen Beitrag leisten, sei es durch die richtige Gartengestaltung oder das Wissen um Notfallvorsorge. Wir setzen uns für eine breite Aufklärung in Schulen, Nachbarschaften und öffentlichen Einrichtungen ein, um die Menschen in die Lage zu versetzen, sich aktiv und effektiv auf Extremwetterereignisse vorzubereiten
Gesundheitsschutz
Hitzefrei war gestern - heute geht es ums Überleben
Die Klimaerhitzung ist längst auch eine gesundheitliche Herausforderung und sie betrifft uns direkt vor Ort. Hitzeperioden nehmen zu, ihre Dauer und Intensität steigen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen. Studien belegen: Mit jeder Hitzewelle steigen die Krankenhausaufnahmen und auch die Sterblichkeit. Doch nicht nur Hitze stellt ein Risiko dar. Die Klimaerhitzung bringt auch neue gesundheitliche Gefahren mit sich: verlängerte Pollenflugzeiten, neue Krankheitserreger oder invasive Arten wie die Tigermücke. Diese Entwicklungen zeigen: Klimaanpassung ist längst auch Gesundheitsschutz.
Wir GRÜNE fordern deshalb die Einrichtung einer Fachstelle „Klimawandel und Gesundheit“ im Umwelt- und Klimareferat. Sie soll die gesundheitlichen Folgen der Klimaerhitzung ressortübergreifend in den Blick nehmen, in enger Zusammenarbeit mit Stadtplanung, sozialen Einrichtungen, Bildungsstätten, Universität, Uniklinik und dem Gesundheitswesen.
Unsere Maßnahmen:
- Hitzeaktionsplan konsequent umsetzen und weiterentwickeln: Erste Maßnahmen für Kitas und Pflegeeinrichtungen wurden bereits entwickelt. Nun müssen auch weitere Bereiche in den Blick genommen werden: der öffentliche Raum, stark frequentierte Orte wie Einzelhandel und Haltestellen sowie die Organisation von nachbarschaftlicher Unterstützung in Hitzephasen.
- Trinkbrunnen in allen Stadtteilen: Eine hitzeresiliente Stadt braucht öffentlichen Zugang zu Trinkwasser überall dort, wo Menschen sich aufhalten: an Spielplätzen, in Parks, auf Plätzen und an Haltestellen. Wir fordern den flächendeckenden Ausbau von öffentlichen Trinkbrunnen.
- Neue Gesundheitsrisiken erkennen und bekämpfen: Die Klimakrise verändert nicht nur die Temperatur, sondern auch unsere biologische Umwelt. Durch steigende Temperaturen und mildere Winter verändert sich auch die Verbreitung von Allergenen, Krankheitserregern und invasiven Arten. Allergene wie Pollen können früher und länger fliegen, während Krankheitserreger, die früher vor allem in südlichen Ländern vorkamen, sich nun auch in Mitteleuropa verbreiten. Auch invasive Arten wie die Tigermücke breiten sich zunehmend aus. Wir setzen uns für ein Monitoring-System ein, das diese Entwicklungen frühzeitig erfasst und präventiv darauf reagiert, um den neuen Gesundheitsrisiken rechtzeitig entgegenzuwirken.
- Gesundheitskommunikation stärken: Aufklärung schützt, aber nur, wenn sie ankommt. Wir wollen Informationskampagnen zu klimabedingten Gesundheitsrisiken ausbauen: mehrsprachig, zielgruppenspezifisch und niedrigschwellig. Dafür sollen Akteure wie das Gesundheitsamt, die Umweltstation, die Stadtbibliothek, die Kliniken und lokale Medien gezielt eingebunden werden.
- Katastrophenschutzpläne für Extremhitzeereignisse erstellen: Im Fall langanhaltender extremer Hitze geraten Menschen in stark überhitzten Wohnungen und Lebensumfeld in Lebensgefahr. Um dies im Blick zu halten und im Extremfall handlungsfähig zu sein braucht Würzburg dafür Katastrophenschutz- und Evakuationspläne sowie ein Netz von kühlen Orten, an denen gefährdete Bürger*innen für die Zeit der Extremhitze sicher untergebracht werden und auch übernachten können.
Klimaanpassung ist ein kontinuierlicher Prozess, der nicht mit einzelnen Maßnahmen abgehakt werden kann, sondern langfristig und in allen Bereichen unseres städtischen Lebens berücksichtigt werden muss. Bereits heute wurden wichtige Schritte unternommen. Doch der Weg ist noch lang. In den kommenden Jahren müssen wir diese Ansätze weiterentwickeln und in die Stadtentwicklung, das Gesundheitswesen und den Umgang mit Wasser und Grünflächen integrieren.
Unser Ziel für die nächste Wahlperiode und darüber hinaus: Würzburg soll eine Stadt werden, die den Herausforderungen der Klimaerhitzung aktiv begegnet und die Lebensqualität auch unter extremen Bedingungen bewahrt. Eine Stadt, die nicht nur auf Krisen reagiert, sondern die durch kluge, vorausschauende Planung und umsetzbare Lösungen den Wandel gestaltet und für die kommenden Jahre stärkt.