NATUR & UMWELT

„WIR SÄGEN AN DEM AST, AUF DEM WIR SITZEN“

Die Biodiversitätskrise ist neben der Klimakrise die größte Herausforderung unserer Zeit. Die wirksamste Methode diese Krise einzudämmen, ist der Erhalt und die Schaffung von natürlichen, artgerechten Lebensräumen. Der erfolgreiche Bürgerentscheid 2019 „Rettet die Bienen“ hat gezeigt, dass die Menschen in Bayern etwas gegen das Artensterben tun wollen.

Aber trotz wichtiger Erfolge beim Schutz einzelner Arten und Lebensräumen verschlechtert sich in Deutschland insgesamt der Zustand der biologischen Vielfalt. Um dem entgegenzuwirken, hat das Kabinett im November 2024 die nationale Biodiversitätsstrategie 2030 beschlossen. Diese verfolgt Ziele in zentralen Feldern des Natur- und Artenschutzes, sowie auch in verwandten Bereichen wie Stadtnatur, Klimaerwärmung, Ausbau von Erneuerbaren Energien oder Gesundheit.

Am 17. Juni 2024 trat die EU-Verordnung über die Wiederherstellung der Natur - das Nature Restoration Law - in Kraft. Dieses Gesetz ist ein zentrales Projekt des Green Deals und weltweit einzigartig. Es ist jetzt ein zentraler Baustein unserer nationalen Biodiversitätsstrategie und enthält verbindliche Vorgaben und Ziele, die direkt und unmittelbar verpflichtend sind. Die Verordnung baut auch auf bestehende EU-Richtlinien zum Naturschutz, wie der Fauna-Flora-Habitat- und Vogelschutzrichtlinie auf und verleiht deren Umsetzung mit klaren Zeit- und Flächenvorgaben neuen Schub. Sie unterstützt auch die Umsetzung von EU-Gewässerschutz-Richtlinien. Die Kernaussagen der Verordnung in Bezug auf städtische Ökosysteme lautet: „Städtische Ökosysteme dürfen auf nationaler Ebene bis 2030 keinen Nettoverlust an städtischer Grünfläche und Baumüberschirmung erleiden und sollen danach weiter wachsen“.

Mehr Natur in die Stadt bringen

Wir GRÜNE setzen uns für die Schaffung und einen konsequenten Schutz von Natur und Artenvielfalt in Würzburg ein. Kleine und große Parks, Dach- und Fassadenbegrünung sowie artenreiche Blühflächen schaffen wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Alte Baumbestände - wie im Ringpark- zeichnen sich durch eine sehr hohe biologische Vielfalt aus und müssen unbedingt erhalten werden.

Grüne Trittsteine herstellen

Kleine Vegetationsflächen sind für Insekten, Vögel und Pflanzen gleichermaßen wichtig, sie vernetzen die großen Grünflächen und funktionieren als Trittsteine, über die Arten die Stadt besiedeln und sich ausbreiten können. Das können z.B. von Bürger*innen gepflegte Baumscheiben am Straßenrand oder Verkehrsinseln mit Wildblumen sein. Sie können im städtischen Ökosystem eine wichtige Rolle einnehmen, da sie viele verschiedene und auch seltene Arten aufweisen.

Unsere Maßnahmen:

  • Um sinnvolle Konzepte umsetzen und Vollzugsdefizite zu minimieren muss die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Würzburg personell verstärkt werden.
  • Bei jeder städtebaulichen Maßnahme soll der Schutz der Natur sowie die mögliche Schaffung von neuen Naturräumen berücksichtigt werden.
  • Die Empfehlungen der Konzeptstudie „Masterplan Freiraum“ sollen umgesetzt werden.
  • Die Verwaltung erstellt ein Verzeichnis, in dem Flächen zur möglichen Entsiegelung gelistet werden. Die Entsiegelungsvorgaben des Naturwiederherstellungsgesetzes können so nach und nach umgesetzt werden.
  • Die Unterstützung von weiteren Initiativen wie dem Wettbewerb „Neues Grün für Würzburg“ oder der Aktion „Würzburg pflanzt x 10“ sowie Urban Gardening oder Baumpatenschaften schärfen die Wertschätzung für Natur in der Bürgerschaft.
  • Der Ringpark soll unter Berücksichtigung der Verkehrssicherheit naturnah gepflegt werden. Dabei sollte es auch Bereiche geben, in denen „Wildblumen- und Kräuter“ gedeihen dürfen.
  • Aufforstungsprojekte im Stadtgebiet sollen zügig umgesetzt werden, so wie zum Beispiel der Zukunftswald an der Frankenwarte.

Wir begrüßen und fördern die Arbeit des Landschaftspflegeverbands, LPV Würzburg e.V., der im Jahr 2024 sein 20-jähriges Bestehen feierte. Er führt einen großen Teil der Maßnahmen zur Neuanlage, Entwicklung und Pflege von Biotopen und Naturschutzflächen im Stadtgebiet durch, unter der Leitung des Gartenamts. Besonderer Schwerpunkt ist die Pflege und der Erhalt von Feuchtflächen im Stadtgebiet wie das Seelein am Heuchelhof oder der Erhalt und die Pflege des derzeit einzigen Naturschutzgebiets im Stadtgebiet, dem NSG Bromberg Rosengarten am Heuchelhof. In Unter- und Oberdürrbach werden Entbuschungsmaßnahmen durchgeführt, um seltene Orchideen zu erhalten.

Artenschutz in unserer Stadt

Laut einem 2022 veröffentlichen WWF Bericht ist seit 1970 die Größe aller beobachteten Populationen von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Amphibien und Reptilien um 69 Prozent zurückgegangen. Die Biomasse aller in Deutschland fliegender Insekten ist um 75 % zurückgegangen.

Damit Wildtierarten in Würzburg eine Überlebenschance haben, müssen artgerechte Lebensräume erhalten und neu geschaffen werden. Das Entsiegeln von nicht mehr benötigten Flächen und anschließende naturnahe Begrünung mit Verzicht auf Pflanzenschutzmittel ist dabei ein wichtiger Baustein. Das Netz aus großen und kleinen Grünflächen soll immer dichter werden. Hier sind heimische Wildpflanzen sowie Pflanzen, die das Nahrungsangebot bereichern und die Blühsaison verlängern, auszuwählen.

Ein anderer Baustein ist die Anpassung der städtischen Gegebenheiten an die Bedürfnisse der Tiere: Nisthilfen, das Anbringen von Übersteighilfen sowie Lücken in Zäunen oder Mauern helfen beim Wandern und der Nahrungssuche. Die Beleuchtung soll ohne den Verzicht auf Sicherheit auf das Notwendigste reduziert werden, Lichtfarben mit wenig Blauanteil sind vorzuziehen. 80 % aller Schmetterlinge und zwei Drittel der Säugetiere sind nachtaktiv, darunter alle Fledermausarten. Auch verkehrsberuhigende Maßnahmen, wie Tempolimits sowie die Einrichtung von Wildtierquerungen oder -tunneln an Straßen helfen den Tieren beim Überleben. Auch unsere Mitbürger*innen möchten wir motivieren mitzuhelfen: private Gärten können zu Lebensräumen werden, die Anpflanzung von Sträuchern und Bäumen bieten Nahrung und Unterschlupf, aus sterilen Rasenflächen können naturnahe blühende Wiesen werden.

Wir setzen uns dafür ein, dass die Stadt:

  • insbesondere wildes freies Wachstum von Grün ermöglicht: in dichtem Gebüsch brüten Nachtigallen, Schmetterlingsnachwuchs braucht Brennnesselecken, Bienen brauchen Wildblumen und Vögel wilde Fruchtgehölze.
  • innerstädtische Wasserflächen erhält und neue schafft.
  • Informations- und Aufklärungsmaßnahmen bereitstellt, um Bürger*innen zur Mitarbeit zu motivieren.

Alle Tierarten und Pflanzen sind wichtiger Teil des komplexen Ökosystems. Die folgenden Ausführungen können deshalb nur exemplarischer Art sein.

Der Igel gilt erstmals laut der internationalen Roten Liste als „potenziell gefährdet“. Hier müssen sich sowohl die Verwaltung als auch die Bürger*innen der Verantwortung stellen. Unterschlupfe für den Winterschlaf im Herbst wie Laub- und Reisighaufen, große Steine oder dichte Büsche sind nicht nur für Igel hilfreich. Auf große Aufräumaktionen sollte im Herbst verzichtet werden sowie auf die nächtliche Verwendung von Mährobotern. Da jährlich laut Schätzungen 500.000 bis zu eine Million Igel im Straßenverkehr sterben, können Warnschilder, Übergangsmöglichkeiten oder Tunnel sowie Geschwindigkeitsbegrenzungen das Igelsterben auf der Straße eindämmen. Igelhilfsstationen für verletzte oder untergewichtige Tiere sollten finanziell ausreichend unterstützt werden.

Der Feldhamster ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Intensive Landwirtschaft, frühe Ernte, Monokulturen und Flächenfraß sind die Hauptursachen. Ausgleichsflächen sind gesetzlich bereits vorgeschrieben. Würzburgs letzte Äcker sind aber auch für die Feldlerche, das Rebhuhn, die Wiesenweihe und den Feldhasen wichtig und müssen unbedingt erhalten bleiben. Wir befürworten und unterstützen die Umsetzung des Feldhamster-Hilfsprogramms durch den Landschaftspflegeverband. Bei der Durchführung unterschiedlicher Maßnahmen wie z.B. Ernteverzichtsstreifen, einen höherer Ährenschnitt und die Schaffung von Feldhamsterinseln werden die Landwirt*innen finanziell unterstützt und durch den Verband informierend begleitet.

Die Fledermaus: Alle europäischen Fledermausarten stehen auf der Roten Liste bedrohter Tierarten und sind deshalb streng geschützt. Es gibt immer weniger Sommerquartiere, wenn z.B. alte Bäume gefällt werden oder Gebäude saniert werden und Rollädenkästen und Attikaplatten als wichtiger innerstädtischer Quartiertyp wegfallen. Winterquartiere werden verfüllt, oder durch Störung (Halloween, Geocaching) entwertet. Außerdem führt Insektenschwund zu Nahrungsverlust. Da die Fledermäuse nachts Beute von Eulen werden, meiden sie beleuchtete Bereiche. Die Lichtverschmutzung reduziert Jagdreviere und unterbricht Flugwege.

Zum Schutz der Fledermaus setzen wir uns für folgende Maßnahmen ein:

  • Eine fledermausfreundliche Gebäudesanierung = Einflugsöffnungen in Dachböden, Schaffung von geeigneten Spaltenquartieren an Fassaden.
  • Den Erhalt von stehendem Totholz sowie lebenden Quartierbäumen (Spechthöhlen, Stammrisse, Zwiesel…) in Parkanlagen und im Stadtwald.
  • Die Berücksichtigung von Nachtfalter-Pflanzen im Stadtgrün wie z.B. Nachtkerzen.
  • Leitstrukturen wie Hecken oder Alleen sollen erhalten oder neu geschaffen werden, damit die Tiere ihre Jagdreviere erreichen können, denn viele Arten vermeiden offene Flächen.
  • Für ihren Winterschlaf benötigen die Fledermäuse unterirdische kalte, aber frostfreie Strukturen mit hoher Luftfeuchtigkeit und genügend Spaltenverstecken. Bestehende Quartiere müssen erhalten und nach Möglichkeit optimiert, neue erschlossen werden. Die Begutachtung des Pleichachtunnels zwischen Bahnhof und Heizkraftwerk auf seine Eignung nach Aufwertung wäre hier eine Option.
  • Zum Schutz der Fledermausquartiere vor HalloweenPartys und Geocachern sollen die Bürger*innen informiert bzw. sensibilisiert werden.
  • Nächtliche Beleuchtung soll, wo immer möglich, reduziert oder vermieden werden.

Insektensterben eindämmen

Die Anzahl der Insekten und die Vielfalt der Arten sowie die Kenntnis über Insekten gehen beständig zurück. Deshalb begrüßen und fördern wir ausdrücklich die Bildungsangebote der Umweltstation und zivilen Naturschutzorganisationen in Würzburg. Aufklärung und Informationen soll zu insektenfreundlicher Pflanzenvielfalt in Gärten und mehr Wildwuchs an Straßensäumen ermutigen. Auch die Toleranz gegenüber vermeintlichen Unkrautpflanzen lässt die Vielfalt wiederbeleben.

Vogelschutz

Der Schutz unserer heimischen Vogelarten ist ein zentraler Baustein für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Alle europäischen Vogelarten genießen einen besonderen Schutz. Hierbei dürfen weder die Vögel selbst getötet oder verletzt werden noch deren Fortpflanzungs- oder Ruhestätten beschädigt oder zerstört werden. Der hohe rechtliche Schutzstatus wird in der Praxis häufig nicht in dem notwendigen Maße umgesetzt. Der Stadt Würzburg hat neben dem generellen Schutz von Vögeln eine besondere Verantwortung für Gebäudebrüter, wie Mehl- und Rauchschwalben, Mauersegler oder Feldsperlinge, die allesamt Kulturfolger sind.

Daher sind erklärte kommunale Ziele der GRÜNEN:

  • Erstellung einer professionellen Kartierung für Gebäudebrüter, damit es bei Baumaßnahmen nicht mehr zur Beschädigung oder Zerstörung der Fortpflanzungs- und Ruhestätten kommt sowie die Überprüfung der Nistplätze von Gebäudebrütern bei jeder Baumaßnahme.
  • Systematische Anbringen von Nisthilfen: In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands von 2015 wird etwa der Trauerschnäpper in der Kategorie 3 als gefährdet geführt. Die Art kommt beispielweise auf dem Waldfriedhof in Würzburg vor und kann durch gezielten

Einsatz von künstlichen Nisthilfen vor einem weiteren Rückgang geschützt werden.

  • Erstellung eines Biodiversitätskonzepts zum Schutz der Vogelarten für das gesamte Stadtgebiet.
  • Millionen von Vögeln sterben jedes Jahr durch Kollisionen mit Glasscheiben. Hier sollte die Stadt einerseits über vogelfreundliches Bauen mit Glas informieren, andererseits verbindliche Vorgaben zur Gestaltung von Glasfassaden treffen.

Tiere in der Stadt

Tierschutz ist im Grundgesetz verankert und auch in Würzburg konsequent umzusetzen. Dies gilt für Haustiere und Stadttauben, wie auch für Wildtiere, deren Lebens- und Rückzugsräume wir erhalten müssen.

Um Tierschutz in Würzburg in allen Bereichen zu gewährleisten:

  • fordern wir eine*n kommunale Tierschutzbeauftragte*n. Diese*r koordiniert die Zusammenarbeit aller Akteur*innen im Bereich Tierschutz, zum Beispiel zwischen Tierheimen, Tierschutzorganisationen und Behörden. Er/sie trägt dazu bei, dass Wildtiere in der Stadt einen möglichst konfliktarmen Lebensraum haben, und berät entsprechend die Bürger*innen.
  • begrüßen wir die - auch von uns angestoßene - Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für Katzen. Deren Umsetzung muss weiterhin engmaschig kontrolliert werden.
  • plädieren wir für eine regelmäßige, angemessene finanzielle Ausstattung des Tierheimes und anderen Organisationen, die bei der Versorgung von Fundtieren helfen.
  • unterstützen wir die Fortentwicklung des artgerechten Stadttaubenmanagements zur Kontrolle der Population.
  • fordern wir Verträge nur mit Zirkusunternehmen o.ä. ohne Tiere
  • befürworten wir die Zusammenarbeit mit dem NABU oder anderen Organisationen im Bereich Gebäudebrüter.
  • plädieren wir die Tiertafel weiterhin ausreichend zu unterstützen.

Wasser ist Leben

Unsere Gewässer

Bäche und Flüsse, die in gutem Zustand sind, bieten Lebensraum für unzählige Arten. Intakte Auen und natürliche Uferzonen puffern Starkregen und Überschwemmungen. Weil der ökologische Zustand der Würzburger Bäche vom Wasserwirtschaftsamt aber als schlecht eingestuft wurde, verabschiedete der Stadtrat 2017 ein Gewässerentwicklungskonzept. Die Bäche sollen in einen guten ökologischen Zustand gebracht und als Naturraum für die Bürger*innen wieder erlebbar gemacht werden. Die Entwässerung von Naturflächen durch Baumaßnahmen und die Klimaerwärmung haben zur vollständigen Austrocknung der meisten Bäche in Würzburg geführt. Ganzjährig Wasser führen nur noch Pleichach, Kürnach und Heigelsbach.

Wir GRÜNE setzen uns für die vollständige Umsetzung des Gewässerentwicklungskonzeptes ein. Dies bedeutet naturnahe Bachabschnitte zu erhalten und wiederherzustellen, wie auch die Durchgängigkeit für die Fischwanderung durch die Beseitigung von Barrieren zu ermöglichen. Schatten durch Ufergehölze senken Wassertemperaturen und tragen zum Erhalt des ökologischen Gleichgewichts bei. Verrohrungen sollen möglichst entfernt und durch natürliche Gewässerrandstreifen ersetzt werden. Neuversiegelungen in Bachtälern sind gänzlich zu vermeiden, da durchlässige, natürliche Überflutungsflächen den Wasserrückhalt und die Artenvielfalt fördern. Rückhaltebecken für Starkregenereignisse sollen ausreichend dimensioniert und das Mischkanalsystem nach und nach durch ein Trennkanalsystem ersetzt werden. Dadurch wird die Einleitung von Kanalschmutzwasser in die Bäche und das in der Vergangenheit schon mehrfach aufgetretene Fischsterben verhindert. Das im April 2025 verabschiedete Hochwasserschutzkonzept für den Heigelsbach soll ab sofort zum Schutz der Bürger*innen schrittweise umgesetzt werden.

Wir GRÜNE setzen uns außerdem dafür ein, dass

  • das Entwicklungskonzept der Lindleinsmühle in Bezug auf die Gewässerentwicklung der Pleichach umgesetzt wird und alle Maßnahmen der begonnen Umsetzung des Pleichachkonzepts zwischen Europastern und Quellenbachparkhaus erfolgreich beendet werden.
  • die Kürnach auf dem Gelände der ehemaligen Faulenbergkaserne im Rahmen der Entwicklung des Areals offengelegt und renaturiert wird, sodass sie den Bewohner*innen als Erholungsraum dient.
  • Gespräche mit den Landkreisgemeinden geführt werden, um den Eintrag von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln zu minimieren.

Unser Trinkwasser

Handeln wir, bevor uns das Wasser ausgeht! Der Schutz unseres überlebenswichtigen Trinkwassers ist eine der bedeutendsten kommunalen Pflichtaufgaben. Der Zugang zu sauberem Wasser ist ein Menschenrecht. Sinkende Grundwasserspiegel als Folge der Klimaerhitzung und die zunehmende Verschmutzung von Wasser und Boden durch gefährliche vom Menschen eingetragene Substanzen zwingen uns zum Handeln. Auch die Vorsorge für zukünftigen Generationen müssen wir im Blick haben.

Wir GRÜNE fordern für den Erhalt unserer Trinkwasser-Reserven

  • die Ausweitung des Trinkwasserschutzgebietes Zeller Quellen zur Sicherung unseres Würzburger Trinkwasserbedarfs. Dieses überlebenswichtige Reservoir darf zudem nicht durch ein Untertage-Gipsabbauwerk und andere potenziell schädliche Eingriffe gefährdet werden.
  • den Erhalt aller derzeit nicht genutzten Brunnen und Quellen mit ihren Wasserschutzgebieten als Reserven sowie ihren Schutz vor konkurrierenden Nutzungen.
  • die Vermeidung von Flächenversiegelung und Entwässerungsmaßnahmen, wo immer möglich.
  • die Vermeidung von Wasserverschwendung bei der Bewässerung von Stadtgrün, landwirtschaftlichen Kulturen und privaten Gärten. Dies kann z.B. durch Tröpfchenbewässerung und die Verwendung von unbelastetem Brauch- und Regenwasser realisiert werden.
  • bei Neubauten muss der Einbau einer Brauchwasseranlage vorgeschrieben werden, um zu vermeiden, dass weiterhin der größte Anteil des im Haushalt verbrauchten Trinkwassers in die Toilette gespült wird.

Wir GRÜNE fordern für sauberes Trinkwasser:

  • dass die gesetzlich vorgeschriebene vierte Klärstufe im Klärwerk baldmöglichst umgesetzt wird. Bei der Auswahl einer Technologie soll sorgfältig ausgewählt werden, sodass möglichst viele Schadstoffe entfernt werden, die mit den herkömmlichen Klärstufen bisher nicht beseitigt werden können. Darunter fallen unter anderem Medikamentenrückstände, PFAS (z.B. Teflon) und Mikroplastik.
  • eine Kooperation mit Landwirten und Winzern, um Ökolandbau oder extensiver Bewirtschaftung in Wassereinzugsgebieten zu fördern, welche den Eintrag von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln minimieren.

Saubere Luft in unserer Stadt

Die Feinstaub- und Stickoxid-Belastungen in Würzburg erreichen häufig hohe, gesundheitsschädliche Werte. Krankheiten wie Asthma, Lungenkrebs, Diabetes, Schlaganfälle und schwere Herzkrankheiten können die Folge sein. Als Ursachen sind die Kessellage Würzburgs, die Schadstoffemissionen des KfZ-Verkehrs, auch der Reifenabrieb und die Verbrennung von Holz in privaten Kaminöfen zu nennen.

Seit 2021 ist nicht mehr die Regierung von Unterfranken, sondern die Stadt Würzburg für die Aufstellung und Fortschreibung der Luftreinhaltepläne zuständig.

Wir Würzburger GRÜNE fordern für unsere saubere Luft:

  • Die Errichtung von weiteren öffentlichen Messstationen, um flächendeckend belastbare Messwerte sowohl für Stickoxide als auch Feinstaub zu erhalten insbesondere, da ab 2030 verschärfte Grenzwerte als Folge der EU-Luftqualitätsrichtlinie gelten werden. Auch die Verwendung von privaten Messstationen von Bürger*innen im Rahmen von Citizen Science können hier unterstützen.
  • Die weitere Umsetzung des Luftreinhalteplans sowie dessen Fortschreibung bezüglich der neuen EU-Grenzwerte 2030.
  • Die Einrichtung einer Umweltzone, falls die neuen Grenzwerte nicht eingehalten werden können.
  • Die Eindämmung des kaum regulierten Zündens von Feuerwerkskörpern in der Silvesternacht. Denn hier verzeichnet Würzburg den jährlich höchsten Luftschadstoffeintrag.
  • Laut Abschlussbericht der Feinstaub-Untersuchung in Würzburg ist die Verbrennung von Holz für 29 % der PM10-Feinstaub-Emissionen verantwortlich. Hier müssen die Bürger*innen informiert und aufgefordert werden, zukünftig emissionsarme Wärmequellen zu nutzen.

Lichtverschmutzung

Die Lichtverschmutzung nimmt in Europa jährlich um 5-6 % zu. 2021 wurde ein neuer Paragraf zum Schutz vor Lichtverschmutzung ins Bundesnaturschutzgesetz eingefügt. Alle Ökosysteme sind perfekt auf den Tag-Nacht-Rhythmus der Erde eingestellt. Die Tierwelt ist der Lichtverschmutzung schutzlos ausgeliefert. Insekten, Vögel, Säugetiere, Fische alle leiden unter der zunehmenden Helligkeit in der Nacht. Das durch Lichtverschmutzung verursachte Artensterben führt zu einer Störung der Nahrungskette. Pflanzen treiben früher aus und werfen ihr Laub später ab, zudem werden immer weniger Pflanzen bestäubt. Zugvögel, die auch nach den Sternen navigieren, werden durch künstliches Licht verwirrt und hohe Gebäude mit LED-Werbung führen zu tödlichen Kollisionen. Bereits mehr als die Hälfte der Europäer kann die Milchstraße nicht mehr sehen. Damit geht ein Kulturgut des Menschen - der natürliche Nachthimmel - schleichend verloren.

Zur Eindämmung der Lichtverschmutzung fordern wir GRÜNE:

  • Eine Minimierung der Lichtemissionen mittels intelligenter Steuerung. Dies kann durch interne Zusammenarbeit der Lichtplaner der WVV mit der Smart and Public GmbH, einer Tochter der WVV realisiert werden. Mittels smarter Technologie soll Beleuchtung nur dann eingesetzt werden, wenn sie gebraucht wird. Momentan brennen die Straßenleuchten überall die ganze Nacht. Abschalten oder Dimmen auf 10-30 % in Kombination mit Bewegungsmeldern sind intelligente Lösungsmöglichkeiten.
  • Mehr Sensibilität bezüglich der Farbtemperatur. Neuanschaffungen von Leuchtmittel für Straßenlaternen sollen in Zukunft nur noch Lichtfarben von 2700K und weniger haben, um den schädlichen Blauanteil so gering wie möglich zu halten. Weißes, kaltes Licht in der Innenstadt soll durch warmes Licht ersetzt werden
  • Die Anpassung der Höhe der Lichtmasten. Da LEDLicht naturgemäß eine nicht vermeidbare hohe Blendwirkung hat, sollen die alten hohen Masten gekürzt werden, auch um Streulicht zu vermeiden. Zudem sollen die Masten bzw. Lichtkegel so ausgerichtet werden, dass Lichtemissionen in die angrenzenden Gärten vermieden oder auf ein absolutes Minimum reduziert werden.
  • „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Die Beleuchtung privater Gebäude und Gewerbegebiete soll nur noch in Ausnahmefällen erlaubt sein. Die Stadtverwaltung soll eine Richtlinie erstellen, die sich am §41a des Bundesnaturschutzgesetz gegen Lichtverschmutzung sowie am Leitfaden zur Eindämmung von Lichtverschmutzung des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz orientiert. Private Hausbesitzer*innen und Gewerbebetriebe können so hinsichtlich der artgerechten und energiesparenden Gestaltung der Außenbeleuchtung beraten werden.

Umweltbildung

Die Würzburger Umweltstation leistet einen wichtigen Beitrag zur Umweltbildung und zu Projekten der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) sowie zur Vernetzung lokaler Nachhaltigkeitsakteur*innen. Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, die Mittel der Umweltstation auszubauen und damit bestehende Bildungsakteur*innen wie (Hoch-)Schulen, Kitas und Umweltvereine wie die lokale Ortsgruppe des BUND weiter zu unterstützen und zu vernetzen. BNE ist für uns eine Querschnittsaufgabe, die viele kommunale Bereiche verbindet. Besonders möchten wir Bürgerforschungsprojekte („Forschung zum Mitmachen“) stärken. Sie binden Menschen aktiv ein, fördern lokales Engagement und liefern wertvolle Daten für kommunale Entscheidungen.

Mehr Wertschöpfung weniger Abfall

Zero Waste Würzburg

Im Klimaschutzkonzept (iKK) der Stadt Würzburg wird eine Zero Waste Strategie aus verschiedenen Gründen gefordert: Die Produktion von Konsumgütern und die Verbrennung von Abfall erzeugt CO₂-Emissionen. Das Abfallaufkommen in Würzburg ist tendenziell leicht ansteigend, der Wertstoffanteil in Restmülltonnen sehr hoch, Bau- und Abbruchabfälle bilden die größte Abfallfraktion und der Anfall von Verpackungsabfällen steigt. Eine Folge ist die Vermüllung des öffentlichen Raums. Die Verwaltung setzt nun mit Beginn 2025 die Forderung des iKK um und arbeitet an einem Zero Waste Konzept, welches die Vermeidung und Wiederverwendung von insbesondere Konsumgütern aber auch Baustoffen zum Ziel hat. Weg von der Wegwerfgesellschaft hin zu einem nachhaltigen Konsumverhalten ist dabei das primäre Ziel.

Wir GRÜNE setzen uns für einen positiven Beschluss eines Zero Waste Konzepts ein. Dieses umfasst unter anderen folgenden Maßnahmen:

  • die Multiplikatorenschulung von Lehrkräften in Schulen, um Kinder und Jugendlichen nachhaltiges Konsumverhalten zu vermitteln.
  • die Stärkung des Second-Hand und Reparatur-Sektors.
  • die Einführung der Verpackungssteuer nach Tübinger Modell soweit rechtlich möglich.
  • die Schaffung von Anreizen zur Müllvermeidung für Handel, Gewerbe und Gastronomie.
  • Schaffung dezentraler Sammelstellen für Wertstoffe und die Einführung einer Wertstofftonne zur gemeinsamen Sammlung von Verpackungen, Kunststoffe aller Art und Metallen.
  • die Vorgaben des Würzburger Energiestandards (WES) zur Ressourceneffizienz und zum Erhalt von grauer Energie sollen umgesetzt werden.
  • die Schaffung von Anreizen zum Einsparen von Restmüll.
  • Erstellung einen Zero Waste Führers für die öffentliche Beschaffung.
  • die Kooperation mit privaten Initiativen und NGOs, wie z.B. Food-Sharing.
  • einen Stoffwindel-Starter-Paket-Zuschuss als Angebot für Eltern.
  • Regelmäßige Informationen der Bürgerschaft über Angebote zur Müllvermeidung.

Würzburgs Rohstofflager nutzen: „Urban Mining“

Bauabfälle bilden die größte Abfallfraktion weltweit und auch in Würzburg. Baustoff-Deponien sind überlastet, Baustoffe werden knapp und teuer. Zudem ist die Gewinnung von Primärrohstoffen mit empfindlichen Eingriffen in Ökosysteme und nicht selten mit der Freisetzung umweltgefährdender Substanzen verbunden. Oftmals konkurriert der Rohstoffabbau mit der lokalen Bevölkerung um die Nutzung knapper natürlicher Ressourcen wie Wasser und Flächen. Ein hierfür bezeichnendes Beispiel ist der Konflikt um das geplante Gips-Abbaugebiet unter den Trinkwasserreserven der Stadt Würzburg.

Bei „Urban Mining“ geht es darum, Rohstoffe aus bestehender Infrastruktur, wie Gebäuden zu gewinnen, um sie direkt in Neubauten wiederzuverwenden, anstatt sie abzureißen und zu entsorgen. Hierzu ist die Kartierung von Gebäuden ein wichtiger Schritt, um zu wissen, welche Materialien wo verbaut sind und wie sie später recycelt und wieder eingesetzt werden können.

Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass die Verwaltung diesen Ansatz des urbanen Rohstofflagers und der Sekundärrohstoffgewinnung weiterverfolgt und sich dazu auch mit den Akteuren anderer Städte vernetzt. Die bereits entwickelten Leitfäden zur Kartierung von Metallen und Baustoffen sollen genutzt werden. Ergänzend unterstützen wir Unternehmen in Würzburg, die selektive Recyclingtechniken für komplexe Stoffverbünde entwickeln.

Würzburg isst besser

Wir GRÜNE setzen uns für eine zukunftsfähige kommunale Ernährungspolitik ein, die Umwelt, Klima und soziale Gerechtigkeit gleichermaßen berücksichtigt. In Schulen, Kitas und öffentlichen Einrichtungen wollen wir einen steigenden Bio-Anteil und mehr pflanzenbasierte, gesunde Mahlzeiten etablieren.

Regionale und saisonale Produkte sollen Vorrang haben durch kurze Lieferketten, stärkere Vermarktung vor Ort, solidarische Landwirtschaft und Wochenmärkte. Für die Umsetzung dieser Ziele befürworten wir die Weiterführung der „Öko-Modellregion stadt.land.wü“, die als Bindeglied zwischen Landwirtschaft, Landkreis und der Stadt Würzburg agiert.

Wo Regionalität nicht möglich ist, setzen wir als FairtradeStadt Würzburg auf fair gehandelte Produkte. Bildungsangebote, Schulgärten und Projekte wie die „Essbare Stadt“ fördern Ernährungskompetenz und machen Lust auf gutes, faires Essen. Lebensmittel gehören auf den Teller, nicht in die Tonne, doch auch in Würzburg werden täglich noch genießbare Lebensmittel weggeworfen.

Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass Würzburg aktiv gegen Lebensmittelverschwendung vorgeht und Initiativen wie Foodsharing gezielt unterstützt, beispielsweise durch die Bereitstellung von Räumen, Fairteilern (Regale oder Kühlschränke, an denen Lebensmittel kostenfrei abgegeben und abgeholt werden können) oder Kooperationen mit Supermärkten und der Gastronomie. Auch kommunale Einrichtungen sollen mit gutem Beispiel vorangehen. So stärken wir nicht nur den Klima- und Umweltschutz, sondern auch den sozialen Zusammenhalt vor Ort.